Keller-Karl

Pflicht zur Elementarversicherung: der Stand

Geplant, nicht beschlossen · aktualisiert am 7. November 2026

Noch nicht beschlossen. Am 21. Oktober 2026 haben Justiz- und Finanzministerium ein Diskussionspapier vorgelegt, einen Gesetzentwurf gibt es noch nicht. Stellungnahmen sind bis 2. Dezember 2026 möglich.

Zeitleiste

  1. April 2025

    Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD: Elementarschutz soll im Neugeschäft Pflicht werden, Bestandsverträge zu einem Stichtag umgestellt; eine Opt-out-Lösung soll geprüft werden, dazu eine staatliche Rückversicherung. Quelle

  2. 21. Oktober 2026

    Justiz- und Finanzministerium veröffentlichen ein gemeinsames Diskussionspapier mit Eckpunkten. Ausdrücklich noch kein Gesetzentwurf. Quelle

  3. 2. Dezember 2026

    Ende der Frist für Stellungnahmen von Ländern und Verbänden. Das Ministerium will sie veröffentlichen. Quelle

  4. danach

    Gesetzentwurf des Ministeriums (Referentenentwurf), dann Kabinett, Bundestag und Bundesrat. Fachmedien rechnen frühestens im Frühjahr 2027 mit einem Entwurf; ein Datum für das Inkrafttreten gibt es nicht. Quelle

Was die Eckpunkte vorschlagen

Neue Verträge
Wer eine Wohngebäudeversicherung neu abschließt, soll sie nur noch mit Schutz gegen Elementarschäden angeboten bekommen. Der Selbstbehalt soll höchstens 10 Prozent der vereinbarten Versicherungsleistung und höchstens 20.000 Euro betragen.
Bestehende Verträge
Bestehende Wohngebäudeversicherungen ohne Elementarschutz sollen ein Erweiterungsangebot bekommen. Wer nicht reagiert, dessen Vertrag soll ein Jahr nach Anwendbarkeit der neuen Regel automatisch erweitert werden. Ganz ohne Elementarschutz zu bleiben, ist nach Fachmedien nicht vorgesehen; geprüft wird stattdessen eine günstigere Mindestversicherung.
Günstigere Mindestversicherung
Geprüft wird eine Wahl für einen abgespeckten Schutz mit hohem Eigenanteil: Im Schadensfall müssten Eigentümer bis zu 50 Prozent der Versicherungssumme selbst tragen, höchstens 100.000 Euro. Ob es diese Wahl gibt, ist offen.
Mieter
Geprüft wird, ob Vermieter die Kosten für den Elementarschutz nicht mehr über die Nebenkosten umlegen dürfen.

Nach der Pressemitteilung und dem Eckpunktepapier von BMJV und BMF. Offen sind unter anderem der Stichtag, die staatliche Rückversicherung und Pflichten zur Vorsorge.

59 %

der Wohngebäude sind gegen Elementarschäden versichert (BMJV nach GDV-Zahlen)

39 bis 94 %

reicht die Versicherungsdichte von Mecklenburg-Vorpommern bis Baden-Württemberg

rund 2 Mrd. €

versicherte Elementarschäden im Jahr im Durchschnitt (BMJV nach GDV)

92,3 %

der 22,7 Mio. Adressen liegen in der Hochwasser-Gefährdungsklasse 1, nur 0,4 % in Klasse 4 (ZÜRS Geo 2026)

Was jetzt schon gilt

Die normale Wohngebäudeversicherung zahlt bei Sturm, Hagel, Feuer und Leitungswasser. Wasser von außen, also Überschwemmung durch Starkregen oder Hochwasser, und Rückstau aus dem Kanal sind nur über den Zusatzbaustein Elementarschäden (oft „weitere Naturgefahren“) versichert. Für den Hausrat gilt dasselbe, auch für Mieter.

  • Rückstau: Die meisten Bedingungen verlangen eine vorgeschriebene, funktionierende Rückstausicherung. Fehlt sie oder ist sie nicht gewartet, kann der Versicherer kürzen oder ablehnen; den Wartungsnachweis verlangen Versicherer im Schadensfall oft.
  • Grundwasser: Steigendes Grundwasser ist meist nur versichert, wenn es infolge von Starkregen oder Hochwasser bis an die Erdoberfläche tritt. Drückt es nur durch Kellerwände oder -boden, zahlt die Versicherung in der Regel nicht.
  • Wartezeit: Meist beginnt der Elementarschutz erst einen Monat nach Vertragsbeginn; beim Wechsel ohne Lücke entfällt sie oft. Kurz vor einem angekündigten Unwetter abzuschließen hilft deshalb nicht.
  • Selbstbehalt: Elementarbausteine haben fast immer einen Eigenanteil, fest oder prozentual.

Was die Versicherung zahlt und was nicht

Versicherung vergleichen

Prüf zuerst deinen Versicherungsschein: Steht dort „Elementarschäden“ oder „weitere Naturgefahren“? Wenn nicht, frag deinen Versicherer nach dem Baustein. Ein Vergleich zeigt, wer deine Adresse zu welchem Preis nimmt; gerade in höheren Gefährdungsklassen unterscheiden sich die Angebote stark.

Bauliche Vorsorge wie eine Rückstausicherung oder Schutz für Kellerfenster kann helfen, in höheren Klassen überhaupt ein Angebot zu bekommen. Sag dem Versicherer, was du eingebaut hast.

ZÜRS Geo: die Gefährdungsklassen der Versicherer

Mit dem Zonierungssystem ZÜRS Geo ordnen die Versicherer über 22 Millionen Adressen nach Hochwasser- und Starkregengefahr ein. Die Klasse deiner Adresse nennt dir nur dein Versicherer; der Hochwasser-Check des GDV zeigt sie ausdrücklich nicht.

HochwasserBedeutungAnteil Adressen
HGK 1Nach gegenwärtiger Datenlage nicht von Hochwasser größerer Gewässer betroffen.92,3 %
HGK 2Hochwasser statistisch seltener als einmal in 100 Jahren, etwa Flächen, die nur bei extremem Hochwasser überflutet werden.–
HGK 3Hochwasser statistisch einmal in 10 bis 100 Jahren.–
HGK 4Hochwasser statistisch mindestens einmal in 10 Jahren.0,4 %
StarkregenLageAnteil Adressen
SGK 1Kuppe oder oberer Bereich eines Hangs, geringere Gefährdung.über 22 %
SGK 2Ebene oder unterer und mittlerer Hang, nicht in Bachnähe, mittlere Gefährdung.etwa 66 %
SGK 3Im Tal oder in der Nähe eines Bachs, hohe Gefährdung.knapp 12 %

Quellen: GDV: ZÜRS Geo – Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen; GDV: Geringe Gefahr für Fluss-Hochwasser bei den meisten Wohngebäuden (ZÜRS Geo 2026, 09.10.2026); GDV: Hochwasser-Check, FAQ und Datengrundlage.

Häufige Fragen

Ist die Elementarversicherung ab 2027 Pflicht?

Nein, beschlossen ist nichts. Am 21. Oktober 2026 haben Justiz- und Finanzministerium Eckpunkte vorgelegt. Stellungnahmen sind bis 2. Dezember 2026 möglich, danach soll ein Gesetzentwurf folgen. Wann eine Regel gilt, steht nicht fest.

Kann ich der Pflicht widersprechen?

Nach den Eckpunkten sollen bestehende Verträge ein Erweiterungsangebot bekommen; wer nicht reagiert, wird ein Jahr nach Anwendbarkeit der Regel automatisch erweitert. Neue Verträge sollen nur noch mit Elementarschutz angeboten werden. Geprüft wird zusätzlich eine günstigere Mindestversicherung, bei der Eigentümer bis zu 50 Prozent der Versicherungssumme, höchstens 100.000 Euro, selbst tragen. Ganz ohne Elementarschutz zu bleiben, ist nach Fachmedien nicht vorgesehen; die Einzelheiten kommen erst mit dem Gesetzentwurf.

Was kostet eine Elementarversicherung?

Das hängt vor allem von der Gefährdungsklasse der Adresse ab. Laut einer Studie vom Januar, über die im Oktober 2026 berichtet wurde, kostete der Elementarbaustein für ein Haus mit 500.000 Euro Wert in der niedrigsten Klasse im Schnitt rund 93 Euro Aufpreis im Jahr, in der höchsten Klasse 1.128 bis 2.080 Euro. Dort boten im Schnitt nur vier Versicherer an, in niedrigeren Klassen 39. Ein Vergleich über mehrere Anbieter lohnt.

Ist Rückstau automatisch mitversichert?

Nur über den Elementarbaustein. Fast alle Bedingungen setzen voraus, dass eine vorgeschriebene Rückstausicherung eingebaut und funktionsfähig ist. Fehlt sie, kann der Versicherer kürzen oder ablehnen.

Was ist mit Grundwasser?

Steigendes Grundwasser ist meist nur versichert, wenn es infolge von Starkregen oder Hochwasser bis an die Erdoberfläche tritt. Drückt es nur durch Kellerwände oder -boden, zahlt die Versicherung in der Regel nicht. Gegen drückendes Grundwasser hilft nur eine bauliche Abdichtung.

Quellen

Keine Versicherungsberatung. Maßgeblich sind die Bedingungen deines Vertrags. Die Seite wird aktualisiert, sobald es einen Gesetzentwurf gibt.