Keller-Karl

Welche Rückstausicherung braucht dein Keller?

Hake an, welche Abläufe unter der Straßenoberkante liegen. Karl sagt dir, ob ein Rückstauverschluss reicht oder ob es eine Hebeanlage sein muss, und was die Satzung deiner Stadt zur Rückstauebene sagt.

Welche Ablaufstellen liegen bei dir unter der Straßenoberkante?

Meist alles im Keller. Die genaue Höhe der Rückstauebene legt die Satzung deiner Stadt fest.

Liegt der Kanal tiefer als dein Kellerboden?

Also fließt das Abwasser heute von selbst ab, ohne Pumpe?

Gibt es ein WC über der Straßenhöhe, etwa im Erdgeschoss?
Wie wird der Keller genutzt?
Ist schon eine Rückstausicherung eingebaut?

Was die Rückstauebene ist

Läuft der Kanal bei Starkregen voll, steigt das Wasser darin wie in kommunizierenden Röhren, bis es an der niedrigsten Öffnung austritt, meist an einem Schachtdeckel auf der Straße. Diese Höhe heißt Rückstauebene. Liegen keine anderen Angaben vor, gilt nach DIN EN 12056-4 die Höhe der Straßenoberkante an der Anschlussstelle.

Maßgeblich für dein Haus ist die Entwässerungssatzung deiner Gemeinde. Einige Städte legen die Ebene höher: in Duisburg 20 cm, in Bochum 15 cm über der Straße, in Krefeld 5 cm über dem Schachtdeckel. Hersteller wie KESSEL empfehlen ohnehin einen Sicherheitsabstand von etwa 15 cm.

Für die Planung zählt bei Schmutzwasser der Wasserspiegel im Geruchverschluss eines Ablaufs, bei Regenwasser die Oberkante des Rosts. Was darunter liegt, braucht Schutz.

Liegt dein Haus in einem Überschwemmungsgebiet, kann das Wasser im Kanal bis zum Hochwasserstand steigen. Dann muss die Sicherung auf diese Höhe ausgelegt werden, nicht nur auf die Straße.

Schnitt durch Haus, Straße und Kanal: Bei Starkregen steigt das Wasser im Kanal bis zur Straßenoberkante, der Rückstauebene. Jeder Ablauf im Keller liegt darunter. Rückstauebene meist Straßenoberkante Keller unter derStraße Kanal voll Sicherung

Rückstauverschluss oder Hebeanlage: die Typen

TypWie er schließtWofür
Typ 0Ein selbsttätiger VerschlussNur in Regenwassernutzungsanlagen (z. B. Zisternenüberlauf)
Typ 1Ein selbsttätiger Verschluss, zugleich Notverschluss von HandNur in Regenwassernutzungsanlagen; für Schmutzwasser und Regenabläufe unter der Rückstauebene nicht zugelassen
Typ 2Zwei selbsttätige Klappen, eine davon von Hand verriegelbarFäkalienfreies Abwasser (Dusche, Waschmaschine, Bodenablauf), bei Gefälle und untergeordnet genutzten Räumen
Typ 3Elektrisch angetriebene Klappe mit Sensor, dazu Notverschluss von HandFäkalienfreies Abwasser; fäkalienhaltiges nur als Typ 3 F in den Ausnahmen der Norm
Typ 5Im Bodenablauf eingebaut: zwei selbsttätige Verschlüsse und ein NotverschlussEinzelner Kellerablauf für fäkalienfreies Abwasser
HebeanlagePumpe hebt das Abwasser über eine Schleife oberhalb der RückstauebeneFäkalienhaltiges Abwasser (Regelfall), Wohnräume im Keller, Regenwasser größerer Flächen

Typ 4 (Bodenablauf mit nur einem selbsttätigen Verschluss) ist in Deutschland nicht zugelassen. Zulässige Typen nach DIN 1986-100, Tabelle 2.

Wann ein Verschluss für das Keller-WC reicht

Nur wenn alle Bedingungen zusammenkommen: Gefälle zum Kanal, der Raum wird untergeordnet genutzt, nur wenige Personen nutzen das WC, oberhalb der Rückstauebene gibt es ein weiteres WC, und auf die Nutzung kann während des Rückstaus verzichtet werden. Dann ist ein Rückstauverschluss Typ 3 mit Kennzeichnung F (für fäkalienhaltiges Abwasser) zulässig. In allen anderen Fällen ist die Hebeanlage die Regel.

Regenwasser von Außenflächen

Kellertreppe, abgesenkte Einfahrt, Lichtschacht: Hier fällt das Wasser genau dann an, wenn der Kanal voll ist. Nach DIN 1986-100 darf es nur getrennt vom Hausabwasser und rückstaufrei angeschlossen werden. Kleine Flächen bis etwa 5 m² können versickern oder bei Gefälle über einen Rückstauverschluss laufen, wenn eine Schwelle das Wasser vom Keller fernhält, sofern die Entwässerungssatzung das zulässt; in Hannover etwa ist immer eine Hebeanlage vorgeschrieben. Größere Flächen brauchen eine automatische Hebeanlage.

Rückstauverschlüsse und Hebeanlagen der großen Hersteller im Vergleich

Wartung

Eine Klappe, die festsitzt, schützt nicht. DIN 1986-3 verlangt für Rückstauverschlüsse eine Wartung durch einen Fachkundigen im Abstand von etwa einem halben Jahr; dazwischen betätigst du den Notverschluss regelmäßig selbst. Hebeanlagen werden im Einfamilienhaus jährlich gewartet, im Mehrfamilienhaus halbjährlich, gewerblich vierteljährlich.

Feuchttücher, Hygieneartikel und Essensreste gehören nicht ins WC: Sie bleiben gern in der Klappe hängen. Wenn du länger weg bist, Notverschluss zu.

So läuft die Wartung, und was sie kostet

Neue DIN 1986-100

Im November 2026 ist eine neue Ausgabe der DIN 1986-100 erschienen. Der Entwurf von 2025 sah vor, die Rückstauebene nicht mehr pauschal an der Straße festzumachen, sondern am Entspannungspunkt des Kanals plus dem zu erwartenden Überstau, und die Sohle der Rückstauschleife einer Hebeanlage mindestens 0,10 m über dieser Rückstauebene zu führen. Für dein Bestandshaus gilt weiterhin, was die Satzung deiner Gemeinde festlegt; bei Neubau oder Umbau rechnet der Planer nach der neuen Norm.

Rückstauregeln der Großstädte

Aus den Entwässerungssatzungen bzw. den Merkblättern der Entwässerungsbetriebe. Abweichungen vom Regelfall „Straßenoberkante“ sind markiert.

Häufige Fragen

Reicht eine einfache Rückstauklappe?

Für Abwasser ohne Fäkalien unter der Rückstauebene ist ein Rückstauverschluss Typ 2 (zwei selbsttätige Klappen, eine davon von Hand verriegelbar) das Mindeste, besser Typ 3 mit elektrischem Verschluss. Das gilt aber nur bei Gefälle zum Kanal und untergeordnet genutzten Räumen; bei Wohnräumen im Keller ist eine Hebeanlage nötig. Für ein WC oder Urinal im Keller ist die Regel eine Hebeanlage; ein Verschluss Typ 3 F nur in eng begrenzten Ausnahmen.

Was ist der Unterschied zwischen Rückstauverschluss und Hebeanlage?

Der Verschluss macht bei Rückstau zu. Solange er zu ist, kann auch dein eigenes Abwasser nicht abfließen. Die Hebeanlage pumpt das Abwasser über eine Schleife oberhalb der Rückstauebene in den Kanal. So bleibt alles auch während des Rückstaus nutzbar, und der Kanal kann nicht zurückdrücken.

Wer muss die Rückstausicherung bezahlen?

Der Eigentümer. Die Grundstücksentwässerung gehört bis zum Anschluss an den öffentlichen Kanal dem Grundstückseigentümer, und die Satzungen machen die Sicherung zu seiner Pflicht. Einige Gemeinden fördern den Einbau, siehe Förderung.

Wie oft muss eine Rückstausicherung gewartet werden?

Nach DIN 1986-3 Rückstauverschlüsse halbjährlich durch einen Fachkundigen, dazwischen regelmäßig von Hand betätigen. Hebeanlagen im Einfamilienhaus jährlich, im Mehrfamilienhaus halbjährlich, gewerblich vierteljährlich. Den Wartungsnachweis verlangt im Schadensfall oft die Versicherung.

Quellen

Die Normen selbst sind kostenpflichtig bei DIN Media (früher Beuth Verlag) erhältlich; wiedergegeben ist der Inhalt nach den genannten Fach- und Herstellerquellen. Keine Planungsleistung: Auswahl und Einbau gehören in die Hand eines Fachbetriebs.